MIN-Fakultät
und Naturwissenschaften
Foto: pixabay
18. Juni 2026, von Maria Latos

Foto: UHH/Frank von Wieding
Seit dem Sommersemester unterstützt das Lehrlabor ReAction Lehrende der MIN-Fakultät dabei, neue Ideen für ihre Lehre zu entwickeln und auszuprobieren. Wie das genau funktioniert und was die Ziele des Labors sind, erklärt Projektkoordinatorin Carolin Gaigl im Interview.
Frau Gaigl, können Sie kurz erklären, was das Lehrlabor ReAction ist?
Carolin Gaigl: Das Lehrlabor ReAction unterstützt Dozentinnen und Dozenten der MIN-Fakultät, ihre Lehre weiterzuentwickeln – egal ob sie mit einer konkreten Idee auf uns zukommen oder einfach mit dem Gefühl: „Ich möchte etwas verändern.“ Das Besondere ist, dass wir nicht mit einem festen Programm arbeiten, sondern gemeinsam individuelle und passgenaue Lösungen mit den Lehrenden entwickeln. Niedrigschwellig, ohne Bewerbungsprozess oder lange Anträge.
Wie läuft das konkret ab?
Niedrigschwelligkeit ist das Stichwort. Lehrende können mir mailen, sich per Teams oder Telefon bei mir melden. Dann gibt es ein erstes Gespräch, in dem wir klären, was die Lehrperson beschäftigt und welche Unterstützung sinnvoll wäre. Danach schauen wir gemeinsam, welche Formate, Gespräche oder Unterstützungsangebote hilfreich sein könnten. Oder ich vermittle sie an Expertinnen und Experten sowie bestehende Einrichtungen weiter.
Welche Einrichtungen sind das?
Sehr viele, denn das Lehrlabor versteht sich als Schnittstelle. Wir vernetzen Lehrende auch mit bestehenden Angeboten, etwa dem „Hamburger Zentrum für universitäres Lehren und Lernen“ oder dem Team „Digitalisierung in der Lehre“. Oft gibt es bereits passende Workshops, Materialien oder Expertinnen und Experten – sie werden nur im Alltag nicht gefunden. Es geht auch darum, ein nachhaltiges Angebot zu schaffen. Ziel ist es, vorhandene Unterstützungsangebote sinnvoll sichtbar und nutzbar zu machen und daraus nachhaltige Strukturen entstehen zu lassen.
Gibt es denn schon erste Lehrende, die sich bei Ihnen gemeldet haben?
Ja, zwei mit sehr unterschiedlichen Anliegen sogar. Eine Lehrende kam mit einer sehr konkreten Idee für die Weiterentwicklung ihrer Veranstaltung und brauchte eher einen Sparringpartner, den roten Faden und Struktur. Es waren schon ganz viele Ideen vorhanden und es ging eher darum, den bunten Blumenstrauß sinnvoll zusammenzubinden. Ein Lehrender hatte vor allem das Bedürfnis, etwas zu verändern, wusste aber noch nicht genau wie. In solchen Fällen gilt es für mich rauszuarbeiten, wo der Lehrende hinmöchte, was ihn genau stört und welches die Möglichkeiten sein könnten, dies zu ändern. Genau diese Bandbreite an Anliegen wollen wir begleiten.
Wie ist die Idee für das Lehrlabor entstanden?
Die MIN-Fakultät hat bereits früher gute Erfahrungen mit Lehrlaboren gemacht – etwa im Rahmen des Universitätskollegs, in dem ich von 2012 bis 2020 ebenfalls tätig war. Viele Lehrinnovationen, die heute zum Alltag gehören, sind daraus entstanden. Daran knüpfen wir jetzt wieder an – mit dem Fokus auf Ausprobieren und Experimentieren in einem unterstützten Rahmen.
Das Lehrlabor gehört ja zum größeren Projekt ReAction der Universität Hamburg. Worum geht es da insgesamt?
ReAction beschäftigt sich mit der Weiterentwicklung von Studium und Lehre und wird von der Stiftung Innovation in der Hochschullehre gefördert. Zentral sind dabei Beziehungen und Zugehörigkeit. Lernen und Lehren funktionieren dann richtig gut, wenn die Personen soziale Bindungen zueinander aufbauen, unter anderem auch zur Institution und nicht zuletzt auch zur Wissenschaftsgemeinschaft. Zum Projektverbund gehören außerdem weitere Teilprojekte. Gemeinsam mit den Projekten zu interdisziplinärer Lehre und internationalen Lehrkooperationen bilden wir die „Lehrimpulse MIN“.
Und wie lange läuft die Förderung?
Aktuell zunächst für vier Jahre mit möglicher Verlängerung um zwei Jahre. Gleichzeitig bauen wir Strukturen auf, die langfristig bestehen können – auch über die Projektförderung hinaus. Und: Zunächst startet das Lehrlabor an der MIN-Fakultät. Perspektivisch könnten die Erfahrungen aber auch für andere Bereiche der Universität interessant werden.
Wann wäre das Projekt für Sie erfolgreich?
Ich finde es gar nicht so einfach konkrete Ziele zu benennen, weil es ja sehr individuell ist und ich den Erfolg nicht quantitativ an harten Kriterien messen würde. Aber ich würde es als Erfolg sehen, wenn Lehrende an der Fakultät wissen, dass sie Veränderungen in der Lehre nicht allein stemmen müssen – und wenn sich das Lehrlabor als feste, selbstverständliche Anlaufstelle etabliert, sobald jemand neue Ideen ausprobieren oder bestehende Lehrkonzepte weiterentwickeln möchte.
Weitere Informationen zum Lehrlabor ReAction: