und Naturwissenschaften
Von Schweden in die Hansestadt:Neue Impulse für die höhere Darstellungstheorie
25. Februar 2026, von MIN-Dekanat

Foto: Mikael Wallerstedt/Adobe Firefly
Seit Ende 2025 forscht Mateusz Stroiński am Fachbereich Mathematik der Universität Hamburg zur höheren Darstellungstheorie. Gefördert durch ein Stipendium der Knut und Alice Wallenberg Stiftung hat er seine Forschung an die Elbe verlagert und wird bis 2027 in der Hansestadt arbeiten. Im Gespräch berichtet er über seine wissenschaftlichen Pläne, neue Perspektiven und das Ankommen an der Universität Hamburg.
Mateusz Stroiński, Sie arbeiten auf dem Gebiet der höheren Darstellungstheorie. Können Sie uns erklären, worum es in Ihrer Forschung geht?
Ich untersuche mathematische Objekte, die eine Struktur auf mehreren Komplexitätsebenen aufweisen. Traditionell besteht die Algebra aus Elementen und festen Regeln für die Kombination, in moderneren Ansätzen dürfen sich diese Elemente jedoch transformieren. Die Objekte, die ich untersuche, ermöglichen es den Elementen, sich sowohl zu kombinieren als auch zu transformieren.
Können Sie ein Beispiel nennen?
Denken Sie an das Brettspiel „Risiko“. Sie haben eine Karte, die in Gebiete unterteilt ist, und jeder Spieler hat eine Armee. Die Spieler können neue Einheiten rekrutieren, sie bewegen und kämpfen lassen. In diesem Sinne können sie Einheiten sowohl kombinieren als auch durch Bewegung, Aufrüstung oder Kampf transformieren. Dieser Ansatz ist auch für meine Forschung von entscheidender Bedeutung.
Wie sind Sie zu diesem Forschungsgebiet gekommen?
Mein Betreuer für die Masterarbeit gab mir mehrere Themen zur Auswahl, darunter auch dieses – für mich damals – sehr ausgefallen und modern klingende Thema. Ich würde gerne sagen, dass es einen tiefgründigen Ansporn gab, aber ehrlich gesagt war es eher eine zufällige Entscheidung. Manchmal ist der erste Schritt eine ziemlich alberne Geschichte, nicht wahr?
Was ist das Ziel Ihrer Forschung hier in Hamburg?
Wir Mathematikerinnen und Mathematiker sind von Natur aus vorsichtige Menschen. Es wäre unverantwortlich zu sagen: „Mein Ziel ist es, diese bestimmte Vermutung zu beweisen“, denn man ist ständig mit dem Risiko konfrontiert, dass die Vermutung nicht wahr ist. Für mich gibt es zwei Ziele: Erstens legt Hamburg einen starken Fokus auf Verbindungen zwischen Mathematik und mathematischer Physik, insbesondere in der theoretischen Physik, und das ist etwas, das ich unbedingt weiter erforschen wollte. Zweitens möchte ich Ergebnisse erzielen, die nicht nur für mein eigenes Fachgebiet wichtig sind, sondern auch zu anderen Bereichen der Mathematik oder Physik beitragen.
Welche Ergebnisse meinen Sie?
Ein Ziel der Verbindung von Mathematik und Physik ist es, mithilfe der Mathematik physikalische Phänomene besser zu verstehen. Interessanterweise kann man auch Ideen aus der Physik nutzen, um Einblicke in die Mathematik zu gewinnen. Als reiner Mathematiker finde ich diese Perspektive sehr reizvoll.
Viele Menschen würden vermutlich denken, dass es nur in eine Richtung geht – nämlich, dass die Mathematik hilft, Phänomene besser zu verstehen. Sie empfinden Mathematik vielleicht auch eher als ein abgeschlossenes Fach, im Gegensatz zur Physik. Wie sehen Sie das?
Das ist eine der spannenden Erfahrungen, die Mathematikstudierende auf Master-Niveau machen: Man lernt, Aussagen so komplex zu formulieren, dass die Wahrscheinlichkeit, sie jemals zu beweisen, gegen Null geht. Mathematik ist also keinesfalls abgeschlossen. Und sie ist also nicht nur die Kunst, Probleme anzugehen, sondern auch die Kunst, Probleme auszuwählen, die überhaupt zu lösen sind.
Ist es das, was Ihnen an der Mathematik gefällt? Haben Sie sich deshalb dafür entschieden?
Dieser Aspekt gefällt mir auf jeden Fall, und darin möchte ich auch besser werden. Ich arbeite mit erfahrenen Kolleginnen und Kollegen zusammen, die eine beeindruckende Fähigkeit besitzen, Ideen auf einer breiten Ebene zu navigieren, während ich mich oft eher auf technische Details konzentriere. Ich stelle mir das gerne so vor, als wäre ich der Mechaniker, der mit einem Formel-1-Fahrer zusammenarbeitet – aber irgendwann möchte ich auch an den Punkt kommen, dass wir in der Zusammenarbeit die Plätze tauschen können.
Warum sind Sie überhaupt Forscher geworden?
Das klingt vielleicht nicht besonders beeindruckend, aber ich habe zum Teil deshalb in Mathematik promoviert, weil ich es nicht geschafft habe, Gymnasiallehrer zu werden. Ich habe natürlich vorher schon ernsthaft darüber nachgedacht, Mathematik zu studieren und Forscher zu werden, aber meine Entscheidung wurde dadurch vereinfacht, dass ich nicht über ausreichende Schwedischkenntnisse verfügte. Ich bin in Polen geboren und habe dort bis zu meinem dreizehnten Lebensjahr gelebt.
Jetzt sind Sie in Hamburg. Wie gefällt es Ihnen hier?
Immer wenn ich Zeit habe, spaziere ich durch die Stadt und genieße die Atmosphäre. Bis jetzt gefällt mir Hamburg sehr gut.
Weitere Informationen
Zwei Stiftungen fördern die Forschung von Mateusz Stroiński: Vom 1. September bis zum 31. Dezember 2025 wurde er von der Lundström-Åmans stipendiestiftelse gefördert, und seit dem 1. Januar 2026 (bis zum 31. Dezember 2027) wird er von der Knut-und-Alice-Wallenberg-Stiftung unterstützt. Das Ziel der Knut-und-Alice-Wallenberg-Stiftung ist es, Schweden durch die Förderung der schwedischen Grundlagenforschung und Bildung, vor allem in den Bereichen Medizin, Technologie und Naturwissenschaften, zu unterstützen.

